Eraserhead Cover

Eraserhead

Grotesk

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[Anzahl der Stimmen: 2 Durchschnitt: 4.5]

Mindfuck-Level: Experte

Kaum ein Regisseur wird so eng mit Mindfuck verknüpft wie David Lynch. Ob Lost Highway, Mulholland Drive oder Inland Empire: Lynch entfernt sich meist so sehr von klassischen Erzählstrukturen, dass er sein Publikum überraschte, als er mit The Straight Story einen ganz normalen Erzählfilm machte. Sein Erstlingswerk Eraserhead macht seinen Hang zu außergewöhnlichen Erzählungen mehr als deutlich.

Überraschende Verantwortung

Henry Spencer (Jack Nance) wird bei der Familie seiner Freundin Mary (Charlotte Stewart) zu einem bizarren Essen eingeladen. Schließlich erfährt Henry den Grund dafür. Mary hat nach einer außergewöhnlich kurzen Schwangerschaft ein missgestaltetes Baby zur Welt gebracht. Henry soll sich mit ihr gemeinsam um das Kind kümmern. Mary verzweifelt schon bald an dem Umgang mit dem grotesken Nachwuchs und lässt Henry mit seinem Kind zurück. Mehr schlecht als recht kümmert sich der überforderte Vater um das Baby.

Eraserhead Szenenbild
Quelle: capelight pictures; DVD: Eraserhead

Unerträgliche Belastung – Das Ende von Eraserhead

Die Auflösung von Eraserhead

Henrys Wahrnehmung scheint sich immer mehr von der Realität zu lösen. Er sieht eine merkwürdige Frau, die in seiner Heizung zu leben scheint und träumt von einer Affäre mit seiner Nachbarin. Diese wird jedoch durch das Kind abgeschreckt. Schließlich scheint Henry der Kopf von seinen Schultern zu fallen. Er wird in eine Bleistiftfabrik gebracht und zu Radiergummis verarbeitet, was sich jedoch als nicht real herausstellt. Letztlich tötet Henry das Kind mit einer Schere. Es gelingt ihm jedoch nicht, sich dadurch seiner gedanklichen Belastung zu entziehen.

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Was war das? – Der Mindfuck von Eraserhead

Analyse des Mindfuck von Eraserhead

Wie in einem Lynch-Film üblich bietet Eraserhead keinen überraschenden Plot Twist, durch den plötzlich alles Sinn ergibt. Der Zuschauer ist durchgehend gefangen in Henrys wirrer Gedankenwelt und viele Szenen sind – wenn überhaupt – metaphorisch zu deuten. Insgesamt erinnert das Gezeigte an einen Albtraum, der nicht an die Grenzen der Realität gebunden ist. Als mögliche Deutung bietet sich Henrys Angst vor Bindung und Verantwortung ebenso an wie seine Probleme mit Sexualität. Wer jedoch Eraserhead einen durchgehenden Sinn zuschreiben möchte, wird dem Film höchstwahrscheinlich nicht gerecht.

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Fazit

Die kurze Handlungszusammenfassung lässt es bereits erahnen: In Eraserhead passiert insgesamt eher wenig. Viele Szenen ziehen sich wie Kaugummi. Das betont die albtraumhafte Qualität des Films, sorgt aber nicht für ein angenehmes Seherlebnis. Viele Szenen sind grotesk oder schlicht ekelig anzuschauen und der Soundtrack leistet ebenfalls einen Beitrag zur allgemeinen Verstörung. Es ist unfair, Eraserhead mit den Maßstäben des Erzählkinos zu messen, also kann man die geringe Handlungsdichte womöglich noch verzeihen. Insgesamt ist der Film aber eine bewusst unangenehme Erfahrung. Das kann man als Zuschauer auch mögen, aber ebenso wahrscheinlich ist es, dass man diese Erfahrung nicht wiederholen möchte – so wie ich. Unbestritten ist das handwerkliche Geschick, mit dem Lynch und seine Mitstreiter aus einem winzigen Budget bizarre, beklemmende Bilder erzeugen.

Weiterführende Informationen

Eraserhead bei www.imdb.com
Eraserhead bei www.rottentomatoes.com

Bildnachweis: Alle Bilder auf dieser Seite © capelight pictures. Die Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

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