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Siesta

Innovativ und doch zum Gähnen

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Mindfuck-Level: Fortgeschrittener

Die Regisseurin Mary Lambert hat in den 80er-Jahren mit Topstars der Musikszene zusammengearbeitet und unter anderem die Videos zu Hits wie Like a Virgin oder Like a Prayer von Madonna gedreht. 1987 legte sie mit Siesta ihren ersten abendfüllenden Spielfilm vor. Gemeinsamkeiten mit den skandalträchtigen Musikvideos sind durchaus vorhanden, denn Siesta beweist den Mut zur expliziten Darstellung von Nacktheit und Sex, ohne dabei billig zu wirken. Im Zentrum des Films steht jedoch ein klassisches Motiv des Mindfuck.

Böses Erwachen

Die Stuntfrau Claire (Ellen Barkin) wacht mit blutverschmiertem Kleid an einem Rollfeld in Spanien auf. Sie kann sich nicht an die letzten Tage erinnern und hat kein Geld und keine Papiere bei sich. Da sie selbst unverletzt ist, befürchtet sie, jemanden umgebracht zu haben. Während sie durch die Straßen von Madrid irrt, beginnt sie sich lückenhaft zu erinnern.
Eigentlich sollte sie in den USA sein und dort einen waghalsigen Sprung aus einem Flugzeug durchführen. Doch sie hat vor einigen Tagen einen Brief von ihrem ehemaligen Mentor und Geliebten Augustine (Gabriel Byrne) erhalten, in dem dieser ihren Stunt verurteilt und seine eigene Hochzeit verkündet. Daraufhin hat Claire ihren eigenen Ehemann und Manager in den USA zurückgelassen und ist überstürzt in das spanische Dorf Angeles gereist. Ein Treffen mit Augustine hat offenbart, dass sich beide noch immer körperlich zueinander hingezogen fühlen, doch Augustine hat sich trotzdem zu seiner Frau Marie (Isabella Rosselini) bekannt.
Claire ist mehr und mehr davon überzeugt, dass sie Marie getötet hat. Auf ihren Irrwegen durch Madrid trifft Claire auf den dekadenten Künstler Kit (Julian Sands) und seine Freunde. Claire zieht mit ihnen durch die Nacht und Kit verspricht, ihr zu helfen. Währenddessen kehren Claires Erinnerungen weiter zurück. Sie hat Augustine und seine Frau in einer Bar angesprochen und sich mit ihrem ehemaligen Lehrer zu einem Treffen verabredet.

Angeles – Das Ende von Siesta

Die Auflösung von Siesta

Kits Freundin Nancy (Jodie Foster) organisiert ein gültiges Flugticket nach Hause, aber es ist auf Nancys Namen ausgestellt. Kit versucht, Ihr einen falschen Pass zu besorgen. Claire erinnert sich, dass sie Augustine ihre Liebe gestanden und sich mit ihm zu einem weiteren Treffen verabredet hat, für welches sie das Kleid anziehen sollte, das sie noch immer trägt. Für das Treffen hat sie ihren Rückflug ausfallen lassen.
Als Claire hört, wie ihre Freunde diskutieren, sie in eine Klinik zu bringen, läuft sie davon. Im Austausch gegen Sex erklärt sich ein Taxifahrer bereit, sie nach Angeles zu bringen. Dort begreift sie, was wirklich geschehen ist. Bei ihrem letzten Treffen haben Augustine und Claire miteinander geschlafen und wurden von Marie überrascht. Diese hat Claire erstochen und Claires Leiche am Flughafen abgelegt. Alle Ereignisse seit Claires vermeintlichem Erwachen am Flughafen spielten sich nicht in der Realität ab.

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Leben und Tod – Der Mindfuck von Siesta

Analyse des Mindfuck von Siesta

Claire war also die ganze Zeit schon tot. Aus heutiger Perspektive ist dieser Plot Twist nichts Neues, aber Siesta ist wesentlich älter als The Sixth Sense, Reeker und viele andere Filme mit einer vergleichbaren Auflösung. Zudem präsentiert Lamberts Film diese Auflösung auf eine Weise, die es auch in der heutigen Zeit nicht ganz leicht macht, sie zu erahnen. Da der Film in zwei Zeitlinien aufgeteilt ist – Claires Begegnungen mit Augustine vor dem Mord und ihre scheinbaren Versuche nach Hause zu kommen nach dem Mord – und sich diese Zeitlinien in etwa parallel entfalten, wird der Mord an Claire erst kurz vor Schluss gezeigt. Die meisten anderen Filme dieser Art müssen den Tod ihrer Hauptfiguren früh zeigen und dies auf eine Weise tun, die dem Zuschauer nicht auffällt. Das ist angesichts der recht häufigen Wiederholung des Erzählmusters inzwischen sehr schwer.
Siesta umgeht dieses Problem und streut trotzdem im Verlauf des Films subtile Hinweise auf Mindfuck.

  • Claire versucht, das Dorf Angeles zu erreichen. Angeles ist das spanische Wort für Engel.
  • Claire zieht sich durch einen Glassplitter eine Verletzung am Arm zu. Diese ist plötzlich wieder verschwunden.
  • Der ganz in Weiß gekleidete Kit nimmt großen Anteil an Claires Schicksal. Es ist möglich, ihn als eine Art Schutzengel zu deuten.

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Fazit

Siesta bietet also Mindfuck, der zur Zeit der Premiere des Films noch recht unverbraucht war und präsentiert ihn auf innovative Art und Weise. Dazu ist der Film visuell durchaus interessant und der starke Soundtrack leistet einen wichtigen Beitrag zur Atmosphäre. Trotzdem war der Film ein Flop und man kann durchaus absehen, warum das so war. Einerseits mäandert der Film zu sehr vor sich hin. Nach ihrem Erwachen am Flughafen sind Claires Handlungen oft ziellos und der Film verliert sich in vielen kleinen Episoden, welche die Handlung kaum voranbringen. Auch die Rückblenden liefern nur wenige Informationen und man hat die Geschichte von Claire und Augustine schon zu oft in anderen Filmen gesehen, um von den Entwicklungen vor dem Mord noch überrascht zu sein.

Beurteilung der falschen Fährte von Siesta

Andererseits bietet der Film zu schnell eine offensichtliche Auflösung der Geschehnisse an, auch wenn sich diese als falsch erweist. Der Film gibt lange keinen Grund zum Zweifel daran, dass Claire Maria getötet hat. Damit bleibt scheinbar nur noch die Frage nach dem wie offen und der Film arbeitet überhaupt nicht daran, diese Frage zu beantworten. Wenn der Mindfuck offensichtlich wird, stellt sich zwar heraus, dass man sich ohnehin die falsche Frage gestellt hat, aber das ändert nichts daran, dass der Weg dorthin einfach langweilig ist.

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Weiterführende Links

Siesta bei www.imdb.com
Siesta bei www.rottentomatoes.com
Rezension bei www.slasherstudios.com

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