Die Feuerzangenbowle

Mindfuck mit drei F

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[Anzahl der Stimmen: 15 Durchschnitt: 3.7]

Mindfuck-Level: Anfänger

Bald ist Weihnachten. Lebkuchen und Marzipan stehen schon in den Regalen, die ersten Lichterketten sind schon zu sehen und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mal wieder Die Feuerzangenbowle gezeigt wird. Abgesehen davon, dass eine heiße Feuerzangenbowle wohl eher ein Getränk für die kalte Jahreszeit ist, hat der Film von Helmut Weiss dabei überhaupt keine Beziehung zu Weihnachten. Ebenso interessant ist jedoch, dass Die Feuerzangenbowle ein echtes Mindfuck-Ende aufweist, an das sich fast niemand erinnert. Während einige Scherze wie „Pfeiffer mit drei F“ oder „nur einen wänzigen Schlock“ aus dem kollektiven Gedächtnis kaum wegzudenken sind, wird die abschließende Pointe des Films schnell wieder verdrängt – und damit auch der Mindfuck.

Quelle: Studiocanal Home Entertainment, DVD: Die Feuerzangenbowle
Quelle: Studiocanal Home Entertainment,
DVD: Die Feuerzangenbowle

Zurück in die Schule – zum ersten Mal

Während seine Freunde über einer Feuerzangenbowle in Erinnerungen an die Schulzeit schwelgen, kann Dr. Johannes Pfeiffer (Heinz Rühmann) nicht mitreden. Er wurde von einem Privatlehrer unterrichtet und ist nie auf eine öffentliche Schule gegangen. Schnell ist der Plan gefasst, Pfeiffer diese Erlebnisse nachholen zu lassen. Im beschaulichen Babenberg besucht der Schriftsteller unter dem Namen Hans Pfeiffer die Oberprima. Seine Lebensgefährtin Marion (Hilde Sessak) hat er von diesem Plan nicht informiert. Schnell fügt er sich in den Klassenverband ein und spielt seinen Lehrern Streich um Streich. Außerdem erwacht sein Interesse für Eva (Karin Himboldt), die Tochter des Schuldirektors.

Quelle: Studiocanal Home Entertainment, DVD: Die Feuerzangenbowle
Quelle: Studiocanal Home Entertainment,
DVD: Die Feuerzangenbowle

Der Schriftsteller als Schüler – Das Ende von Die Feuerzangenbowle

Die Auflösung von Die Feuerzangenbowle

Marion spürt Pfeiffer schließlich in Babenberg auf, doch Pfeiffer entscheidet sich, nicht mit ihr nach Berlin zurückzukehren. Als er versucht, Eva von seiner wahren Identität zu überzeugen, kommt es zum Streit. Pfeiffer beschließt, mit einem Knall abzutreten. Er sorgt dafür, dass Chemielehrer Crey zu spät zur Schule kommt und schlüpft in dieser Zeit in dessen Rolle. Da der Schulrat ausgerechnet diese Schulstunde besucht, um Creys Eignung für eine Stelle als Schuldirektor zu prüfen, muss Pfeiffer die Maskerade unter den Augen des Direktors fortführen. Am Ende des Schwindels präsentiert Pfeiffer sein Abiturzeugnis und seine Promotionsurkunde und gibt sich zu erkennen. Eva bekennt öffentlich ihre Liebe zu ihm. In einem direkt in die Kamera gesprochenen Monolog erklärt Pfeiffer nun, dass er alle Geschehnisse frei erfunden habe. Nur die Feuerzangenbowle sei wahr und die Erinnerungen, die jeder Mensch mit sich herumträgt.

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Politik und Gesellschaft – Der Mindfuck von die Feuerzangenbowle

Analyse und Begründung des Mindfuck von die Feuerzangenbowle

Der Grund, warum der Mindfuck von Die Feuerzangenbowle oft in Vergessenheit gerät, ist seine Konsequenzlosigkeit. Dass alles nur erfunden war, ist für den Film nicht entscheidend. Schließlich weiß man als Zuschauer ja, dass es sich um einen Spielfilm handelt, der nicht auf Tatsachen beruht. Da an die Stelle der Geschichte um den Schüler Pfeiffer auch nichts Anderes gesetzt wird, ändert sich die Wirkung des Films wenig.

Aber warum nutzt Die Feuerzangenbowle dann überhaupt so ein Mindfuck-Element? Die Gründe lassen sich in der politischen und gesellschaftlichen Situation Deutschlands während des zweiten Weltkriegs finden. Während es heute kein Problem mehr ist, die Schule in Filmen wie Fack ju, Göthe durch den Kakao zu ziehen, war dies 1944 noch höchst kritisch. Gesellschaftliche Institutionen zu hinterfragen oder wie Pfeiffer einen Ausbruch aus dem bestehenden Leben zu wagen, passte nicht zu der auf Gehorsam und Konformismus ausgelegten Kriegszeit. Sogar in seiner vorliegenden Form war der Film umstritten und Hauptdarsteller Rühmann sprach persönlich in der Nazi-Führungsetage vor, um ein Verbot abzuwenden. Deswegen musste unbedingt eine Moral her, die den Zuschauer an seinen Platz in der Gesellschaft erinnerte und die Schule glimpflich davonkommen ließ. Also endet Pfeiffer seinen Monolog mit: „Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden.“

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Fazit

Die Feuerzangenbowle ist ein Klassiker. Natürlich wirkt der Film nach heutigen Maßstäben etwas angestaubt. Aber genau die wohligen Erinnerungen, die Pfeiffers Abschlussmonolog beschwört, liefert der Film auch selbst – gerade wenn man ihn in seine weihnachtlichen Rituale integriert. Der Mindfuck-Aspekt des Films ist eher vernachlässigbar, aber eine gute Zeit kann man mit diesem Klassiker jeden Dezember aufs Neue verbringen.

Weiterführende Links

Die Feuerzangenbowle bei www.imdb.com
www.ntv.de zum politischen Kontext des Films

Bildnachweis: Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Studiocanal Home Entertainment

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