Identität

Verregnete Psychospiele

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Mindfuck-Level: Fortgeschrittener

Viele Krimis und Slasher-Filme arbeiten nach dem Prinzip der “10 kleinen Negerlein”: Eine relativ geschlossene Personengruppe wird Opfer eines Serienkillers. Dieser tötet seine Opfer nach und nach so, dass wie im Kinderlied immer weniger Überlebende übrig bleiben – “da waren’s nur noch fünf”. Wie viele Menschen am Ende überleben, hängt vom Einzelfall ab. In Agatha Christies Roman 10 Little Indians (ursprünglich: 10 Little Niggers), welcher für derartige Erzählungen wegweisend war, kommt sogar keine einzige Figur mit dem Leben davon. 2003 legte James Mangold mit Identität (Originaltitel: Identity) einen Film vor, der das bekannte Schema um Mindfuck-Elemente anreichert. Wenn man bereit ist, über die konstruierte Ausgangssituation hinwegzusehen, funktioniert dies durchaus gut.

Im Regen gestrandet

Der Serienmörder Malcolm Rivers (Pruitt Taylor Vince) soll hingerichtet werden. Allerdings taucht am Tag vor der Hinrichtung ein Tagebuch auf, das auf seine Unzurechnungsfähigkeit hindeutet und eine Persönlichkeitsspaltung nahe legt. Eine hektisch anberaumte Anhörung soll Klarheit bringen, bei der auch Rivers selbst befragt werden soll. Währenddessen stranden 10 Personen während eines Unwetters in einem abgelegenen Motel: Ex-Polizist Ed (John Cusack), der inzwischen als Chauffeur der Schauspielerin Caroline (Rebecca De Mornay) arbeitet, die Prostituierte Paris (Amanda Peet), Geroge York (John C. McGinley) mit seiner Frau Alice (Leila Kenzle) und seinem Stiefsohn Timothy (Bret Loehr), das junge Ehepaar Ginny (Clea Du Vall) und Lou (William Lee Scott) und der Polizist Rhodes (Ray Liotta), der einen Mörder (Jake Busey) bewacht.

Ed hat im Regen Alice angefahren, doch aufgrund der Witterungsverhältnisse ist auch das Telefonnetz ausgefallen, so dass niemand Hilfe holen kann. Als Caroline brutal ermordet wird, stellen die Gäste fest, dass Rhodes’ Gefangener entkommen ist. Erst nachdem auch Lou getötet worden ist, können Ed und Rhodes den Geflohenen wieder stellen. Bei beiden Opfern werden Zimmerschlüssel gefunden, deren Anzahl die Zahl der noch lebenden Personen anzeigt. Natürlich glauben die Überlebenden, dass der Strafgefangene auch die Morde begangen hat. Doch er wird selbst als nächster getötet und der Verdacht fällt auf den Motelbesitzer Larry (John Hawkes). Im Kühlschrank des Motels finden Ed und Rhodes die Leiche eines Fremden und Larry versucht zu fliehen. Dabei überfährt er George mit dem Auto und wird anschließend gestellt. Larry leugnet, ein Mörder zu sein. Er habe den eigentlichen Motelbesitzer vor ein paar Wochen tot aufgefunden und dessen Platz eingenommen. Die Leiche hat er im Kühlschrank konserviert.

Quelle: Sony Pictures Home Entertainment, DVD: Identität
Quelle: Sony Pictures Home Entertainment, DVD: Identität

Wer bleibt übrig? – Das Ende von Identität

Die Auflösung von Identität

Larry wird gefesselt und bis auf Alice versammeln sich alle Überlebenden in einem Raum. Als auch Georges Frau verstirbt, augenscheinlich in Folge des Unfalls, findet Rhodes auch bei ihr einen Schlüssel. Daraufhin wird Georges Leiche erneut untersucht und auch er trägt einen Schlüssel bei sich. Ed möchte, dass Ginny und Timothy in Ginnys Wagen hin- und herfahren, bis die Straße wieder frei ist. Er hofft, dass sie dort sicherer sind, doch der Wagen explodiert. Es werden keine Leichen gefunden und auch die Leichen der anderen Opfer sind verschwunden. Die Überlebenden stellen fest, dass sie alle am gleichen Tag Geburtstag haben.

Als Ed auch noch bemerkt, dass alle Motelgäste nach amerikanischen Bundesstaaten benannt sind, kommt er plötzlich gefesselt bei der Anhörung im Fall Rivers zu sich. Ihm wird erklärt, dass er eine der zahlreichen Persönlichkeiten von Malcolm Rivers ist. In Rivers’ Kopf findet gerade ein Prozess der Neuorganisation statt. Jedes Mordopfer ist eine Persönlichkeit, die Rivers ablegen kann. Ed soll dafür sorgen, dass am Schluss nicht diejenige Persönlichkeit übrig bleibt, die für Rivers Morde verantwortlich ist. Auf dem Motelgelände, welches Malcolms Geist repräsentiert, entdeckt Paris, dass Rhodes selbst ein entflohener Sträfling ist, der seinen Bewacher getötet hat. Rhodes tötet Larry und anschließend erschießen sich Rhodes und Ed gegenseitig.

Damit scheint Paris als einzige überlebt zu haben. Der Richter erkennt an, dass eine friedfertige Persönlichkeit von Rhodes die Oberhand gewonnen hat. Er hebt das Todesurteil auf und ordnet Rivers Unterbringung in einer geschlossenen Klinik an. Doch auf dem Weg dorthin dringt die tot geglaubte Timothy-Persönlichkeit wieder an die Oberfläche. Der Junge, nicht Rhodes, war für die ersten Morde verantwortlich. Er tötet auch Paris und erlangt so die endgültige Kontrolle über Rivers Geist. In der realen Welt startet Rivers umgehend einen Fluchtversuch.

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Die Psyche eines Mörders – Der Mindfuck von Identität

Analyse des Mindfuck von Identität mit Verweis auf andere Beispiele

Identität wendet zwei Täuschungsstrategien an. Die eine ist geradezu klassisch für das “10 kleine Negerlein”-Prinzip, nämlich die Vortäuschung des eigenen Todes durch den Mörder – in diesem Fall Timothy. In einer Situation, in der jede lebendige Person verdächtig ist, kann ein Serienmörder durch Vortäuschung seines eigenen Todes weitermorden. Der scheinbare Tod befreit ihn von jedem Verdacht. In Identität sorgt das Verschwinden der Leichen dafür, dass niemand zu genau die Umstände von Timothys Tod untersucht.

Dies allein wäre für einen Mindfuck-Film recht wenig und die eigentliche Innovation von Identität liegt auch tatsächlich an anderer Stelle. Die Darstellung einer Persönlichkeitsspaltung durch verschiedene, scheinbar voneinander unabhängige Figuren ist nicht neu. Da jede Persönlichkeit von einem anderen Schauspieler gespielt wird, werden sie auch als unterschiedliche Personen wahrgenommen. Neu ist jedoch die Darstellung einer psychischen Neuorganisation im Stile einer Mordserie. Diese spielt sich in Rivers’ Kopf ab, so dass die Gesetze der Realität nicht unbedingt gelten. Dadurch können Leichen spurlos verschwinden und der Gefagene bei seinem Fluchtversuch gleichzeitig vom Motel weg und auf das Motel zulaufen. Eine ähnliche Vorgehensweise findet sich in später auch in The Ward.

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Fazit

Identität ist mehr ein Thriller als ein Slasher-Film und setzt seinen Grundplot routiniert um. Aufgrund der hohen Anzahl von wichtigen Figuren bleiben die Charaktere überwiegend stereotyp, aber das ist in derartigen Filmen häufig der Fall. Der Dauerregen trägt viel zur beklemmenden Atmosphäre bei und die Morde sind abwechslungsreich. Für Horror-Freunde geschehen sie jedoch zu häufig abseits des Kamerablicks. Die Auflösung von Identität und der damit verbundene Mindfuck ist innovativ, kann allerdings auf manche Zuschauer etwas zu konstruiert wirken. Insgesamt sollte sich der Großteil des Publikums aber von Identität gut unterhalten fühlen.

Weiterführende Links

Identität bei www.imdb.com
Identität bei www.rottentomatoes.com

Bildnachweis: Quelle aller Bilder ist Sony Pictures Home Entertainment, DVD: Identität. Die Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

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