DVD-Cover Oldboy

Oldboy

Hammerhart

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[Anzahl der Stimmen: 4 Durchschnitt: 2.3]

Mindfuck-Level: Einsteiger

Rache ist ein häufiges Thema in Spielfilmen. In vielen Fällen ist es sogar die positiv besetzte Hauptfigur, die sich rächt. Wenn das Opfer der Rache keine Reue zeigt und die Strafe verdient zu haben scheint, hat das Publikum im Normalfall kein Problem, das Prinzip „Auge um Auge“ und die damit verbundenen Gesetzesbrüche zu akzeptieren. Eine andere Perspektive auf Rache liefert Oldboy (Originaltitel: Oldeuboi) von Park Chan-wook. Hier hat sich die Idee der Rache längst so verselbstständigt, dass am Ende nur Verlierer zurückbleiben.

Eingesperrt

Oh Dae-su (Choi Min-sik) ist ein Gewohnheitstrinker, der seine Familie vernachlässigt. Eines Abends wird er auf offener Straße verschleppt und für 15 Jahre in ein Hotelzimmer gesperrt. Durch die Fernsehnachrichten erfährt er, dass seine Frau vergewaltigt und getötet wurde und er als flüchtiger Tatverdächtiger gilt. Nach einer Phase der Verzweiflung beginnt er, seinen Ausbruch und seine Rache vorzubereiten. Er trainiert seinen Körper und beginnt, mit einem Essstäbchen einen Tunnel in die Zimmerwand zu graben.

Noch bevor er seinen Ausbruch durchführen kann, wird er hypnotisiert und auf dem Dach eines Hauses ausgesetzt. Oh Dae-su ist besessen von den Fragen, wer für seine Gefangenschaft verantwortlich ist und warum man ihn eingesperrt hat. Sein Peiniger ruft ihn auf dem Handy an und macht ihm klar, dass sein Spiel noch längst nicht vorbei ist. Hilfe erhält Oh Dae-su von der jungen Köchin Mi-do (Kang Hye-jeong). Es gelingt ihm, sein Gefängnis ausfindig zu machen, doch auch unter Folter geben die Betreiber nur Preis, dass man den Auftrag erhalten habe, Oh Dae-su einzusperren, weil dieser zu viel rede.

Szenenbild - Oldboy
Quelle: capelight pictures, DVD: Oldboy

Ausgetrickst – Das Ende von Oldboy

Die Auflösung von Oldboy

Schließlich trifft Oh Dae-su auf Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae), der die Verantwortung für die Ereignisse übernimmt. Oh Dae-su bringt es nicht fertig, seinen Widersacher zu töten, weil er dann nie den Grund für seine Gefangenschaft erfahren würde. Woo-jin gibt ihm fünf Tage Zeit, danach müsse Mi-do sterben. Dae-su und Mi-do schlafen miteinander und versuchen, sich der Überwachung von Woo-jin zu entziehen. Die beiden stoßen auf Hinweise auf Oh Dae-sus alte Schule und stellt fest, dass Woo-jin ein Mitschüler war. Dae-su hatte seinerzeit beobachtet, wie Woo-jin Sex mit seiner Schwester hatte. Er hatte es weitererzählt und so Gerüchte in Umlauf gebracht, die Woo-jins Schwester in den Selbstmord trieben.

Oh Dae-su konfrontiert Woo-jin mit seinem Wissen. Daraufhin enthüllt Woo-jin das Ausmaß seiner Rache: Mi-do ist die Tochter von Oh Dae-su. Woo-jin hat beide hypnotisieren lassen und die beiden in eine inzestuöse Beziehung getrieben. Dae-su bittet Woo-jin, Mi-do in Unwissenheit zu lassen. Er erniedrigt sich vor Woo-jin und schneidet sich die Zunge ab. Woo-jin stimmt zu und genießt seine Rache. Er muss allerdings feststellen, dass die Rache sein einziger Lebensinhalt war und begeht Selbstmord. Oh Dae-su sucht die Frau auf, die ihn hypnotisiert hat, und bittet sie, ihn alles vergessen zu lassen.

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Durchgeplant – Der Mindfuck von Oldboy

Analyse des Mindfuck von Oldboy

Die Handlung von Oldboy besteht in erster Linie aus einem komplexen Set-Up-Twist. Dae-su arbeitet an seiner Rache und tut dabei doch nur, was Woo-jin geplant oder ihm sogar per Hypnose eingegeben hat. Dadurch werden auch einige Handlungen im Nachhinein verständlicher – beispielsweise blieb zuvor unklar, warum Mi-do sich so sehr für den schroffen, leicht verwahrlosten Oh Dae-su interessiert. Besonders verdeckt ist der Set-Up-Twist dabei nicht. Jederzeit ist klar, dass es einen größeren Plan gibt, den Oh Dae-su noch nicht versteht.

Dass wichtige Handlungen durch Hypnose ausgelöst werden, verleiht Oldboy noch eine zweite, schwerer zu deutende Ebene. Die Hypnotiseurin behauptet, am Ende Oh Dae-sus Geist zu spalten in das wissende Monster und den unwissenden Oh Dae-su. Sie erklärt auch, dass Hypnose Erinnerungen verzerren kann. Wenn beides wahr ist, was beweist dann, dass die sich die Ereignisse von Oldboy tatsächlich so abgespielt haben? Schließlich ist klar zu sehen, dass Oh Dae-su bereits direkt vor seiner Freilassung hypnotisiert wird. Sind die nachfolgenden Ereignisse nur ein Produkt verzerrter Erinnerungen? Ist Woo-jin gar nur ein Teil von Oh Dae-sus gespaltener Persönlichkeit? Klare Antworten auf diese Fragen gibt der Film nicht, doch keine der Varianten kann definitiv ausgeschlossen werden.

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Fazit

Harte Gewaltszenen, die Kombination aus Rache und Inzest: Oldboy hat schon an der Oberfläche einiges zu bieten. Je mehr man über den Film nachdenkt, desto mehr ziehen einen die Geschehnisse und die aufgeworfenen Fragen in den Bann. Der Film erzeugt clever Sympathie für den gebrochenen Oh Dae-su, obwohl schon von Beginn klar ist, dass dieser kein guter Mensch ist. Das verstörende Ende lässt keinen Gewinner übrig, dafür sehr viele Anschlusspunkte für Diskussionen. Natürlich darf man diese Anschlusspunkte auch ignorieren und in Oldboy einfach nur einen harten, konsequenten Thriller sehen. Das tut dem Sehvergnügen keinen Abbruch.

Weiterführende Links

Oldboy bei www.imdb.com
Oldboy bei www.rottentomatoes.com

Bildnachweis: Alle Bilder auf dieser Seite © capelight pictures. Die Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

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