Cover Der unsichtbare Gast

Der unsichtbare Gast

Vertrauen und Wahrheit

Mindfuck-Level: Anfänger

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[Anzahl der Stimmen: 2 Durchschnitt: 5]

Das Verhör und die dabei erzählten Geschichten gehörten zu den Standardmotiven des Krimis. In manchen Filmen besteht die Handlung sogar fast ausschließlich aus einer solchen Verhörsituation. Der unsichtbare Gast (Originaltitel: Contratiempo) von Oriol Paulo – Mindfuck-Fans womöglich auch bekannt durch seinen späteren Film Parallelwelten – ist einer dieser Filme. Ihm gelingt es jedoch, der vermeintlichen Standardsituation verschiedene neue Facetten abzugewinnen und so eine packende Geschichte zu erzählen. Dass er dabei auch auf Aspekte des Mindfucks zurückgreift, ist natürlich ein willkommener Bonus.

Hereingelegt

Dem erfolgreichen Geschäftsmann Adrián (Mario Casas) droht eine Mordanklage. Ein Erpresser hat ihn zusammen mit seiner Geliebten Laura (Bárbara Lennie) in ein abgelegenes Hotel gelockt. Dort – so berichtet er – wurde Adrián niedergeschlagen und Laura getötet. Als Adrián wieder zu sich kommt, ist er allein mit der Leiche. Die Zimmertür ist von innen verriegelt und die Fenster lassen sich nicht öffnen. Deshalb scheint seine Erklärung von einer dritten Person im Zimmer höchst unglaubwürdig. Zusammen mit der Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener) muss er über Nacht seine Verteidigungsstrategie auf die Beine stellen.

Aber zunächst erklärt er der Anwältin, warum er überhaupt erpressbar wurde. Laura und er trafen sich immer heimlich, damit ihre jeweiligen Ehepartner nichts von der Affäre erfuhren. Auf dem Rückweg von einem solchen Treffen, waren die beiden in einen Autounfall verwickelt, bei dem ein junger Mann ums Leben kam. Laura überredet Adrián, die Leiche verschwinden zu lassen, um das Geheimnis ihrer Affäre zu bewahren. Während Adrián den Wagen des Unfallopfers samt Leiche in einen See rollt, ist Laura auf Hilfe angewiesen, um den eigenen Wagen wieder flottzumachen. Der Automechaniker Tomás (José Corronado) kommt vorbei und hilft ihr. Als Laura bemerkt, dass Tomás der Vater des Opfers ist, fährt sie eilig davon.

Szenenbild Der unsichtbare Gast: Laura und Adrian an der Unfallstelle
Quelle: Koch Films GmbH, DVD: Der unsichtbare Gast

Täter und Opfer – Das Ende von Der unsichtbare Gast

Die Auflösung von Der unsichtbare Gast

Laura kann es so aussehen lassen, als hätte das Unfallopfer seinen Arbeitgeber um Geld betrogen und wäre danach untergetaucht. Doch Tomás, der Vater des Opfers, glaubt die Geschichte nicht und beginnt, auf eigene Faust nachzuforschen. Er vermutet, dass Adrian in die Geschehnisse verstrickt ist und stellt ihn zur Rede. Doch dieser streitet alles ab. Kurze Zeit später meldet sich der Erpresser.

Während Adrian scheinbar einen Autofahrer, der damals an der Unfallstelle vorbeigefahren war, hinter der Erpressung vermutet, verdächtigt Goodman Tomás und dessen Frau. Sie beschreibt plausibel, wie die beiden die Tat geplant und durchgeführt haben könnten. Tomás bestätigt diese Theorie: Er habe Tomás bei der Tat erkannt, wollte aber Goodman zunächst auf die Probe stellen.

Im weiteren Gespräch bringt Goodman Adrian dazu, immer mehr Unwahrheiten in seiner ursprünglichen Geschichte zuzugeben: In Wirklichkeit hat er Laura dazu gedrängt, den Unfall zu vertuschen – nicht umgekehrt – und die Erpressung war nur möglich, weil Laura von Gewissensbissen geplagt wurde und Tomás die Wahrheit erzählt hat. Der Sohn von Tomás hat noch gelebt, als Adrian das Auto mit ihm zusammen in den See rollte. Adrian offenbart auch die Stelle, wo das Auto zu finden ist. Als Goodman ihm erklärt, dass Tomás unmöglich der Mörder von Laura sein kann, gestehtAdrian diesen Mord ebenfalls.

Unter einem Vorwand verlässt Goodman Adrians Wohnung. Wie sich herausstellt, ist sie in Wirklichkeit Tomás Frau, die Adrian ein Geständnis entlockt hat. Die gesamte Unterhaltung wurde von Tomás mitgeschnitten, der die belastenden Informationen nun an die Polizei weiterleitet.

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Die Suche nach der Wahrheit – Der Mindfuck von Der unsichtbare Gast

Analyse des Mindfuck von Der unsichtbare Gast

Der unsichtbare Gast wird auf zwei Ebenen erzählt: In Rückblenden erfährt der Zuschauer von den Geschehnissen, die schließlich zum Mord an Laura geführt haben. Zwischen diesen Rückblenden liefern sich Adrian und Goodman ein regelrechtes psychologisches Duell um Vertrauen und Wahrheit. Diese Ebene enthält zwar auch eine Wendung, doch die Tatsache, dass sich die Mutter des Mordopfers als Virginia Goodman verkleidet hat, ist aus Mindfuck-Sicht vergleichsweise uninteressant. Bedeutsamer sind die lügenden Rückblenden und die Frage, warum man zunächst überhaupt bereit ist, Adrian zu glauben. Schließlich steht er unter Mordverdacht.

Drei Gründe sind hierfür zentral:

  • Grundsätzlich geht man als Zuschauer davon aus, dass Rückblenden die Wahrheit sagen: Was in Bild und Ton im Film dargestellt wird, ist normalerweise entweder wahrhaftig oder es werden unmittelbar Markierungssignale gesetzt, die an der Wahrhaftigkeit des Gezeigten zweifeln lassen. Dies geschieht in Der unsichtbare Gast nicht.
  • Adrian wird schon innerhalb der Anfangsphase des Films als Opfer inszeniert und lange Zeit geschieht nichts, was dieser Opferrolle wiederspricht. Die Anfangsphase setzt den Rahmen für die Erzählung und hier entscheidet der Zuschauer, dass es in dem Film darum geht, Adrians Unschuld zu beweisen – nicht seine Schuld.
  • Der unsichtbare Gast arbeitet mit zwei äußerst bekannten Erzählmustern. Einerseits bietet er ein klassisches Locked-Room-Mystery und legt einen Fokus auf die Frage, wie der Mörder scheinbar spurlos aus einem verschlossenen Hotelzimmer verschwinden konnte. Der deutsche Filmtitel verstärkt noch einmal den Eindruck, dass es einen unsichtbaren Gast gegeben haben muss. Andererseits ist die Konstellation des unschuldig-schuldigen Mannes, der aus Liebe zu einer durchtriebenen Frau alles verliert, das klassische Erzählmuster eines Film Noir. So fällt es leicht, ein vorgefertigtes System aus Kategorien und Werten abzurufen und umso schwerer, diese ohne besonderen Grund zu hinterfragen.

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Fazit

Der unischtbare Gast ist ein spannender Krimi, der einen sanften Einstieg in Motive des Mindfuck ermöglicht. Alle wichtigen Rollen sind gut besetzt und die Handlung entwickelt eine Sogwirkung, der man sich als Zuschauer schwer entziehen kann. Die zahlreichen Wendungen und die letzte überraschende Auflösung halten vordergründig auch stand und wirken plausibel. Bei längerem Nachdenken fallen zwar auch gewisse Ungereimtheiten und Lücken auf, doch diese fallen nicht allzu stark ins Gewicht.

Weiterführende Links

Der unsichtbare Gast bei www.imdb.com
Der unsichtbare Gast bei www.rottentomatoes.com

Filme wie Der unsichtbare Gast

Filme mit ähnlichem Mindfuck wie Der unsichtbare Gast

Basic (USA/Deutschland 2003, John McTiernan)
Das Cabinet des Dr. Caligari (Deutschland 1920, Robert Wiene)
Die rote Lola (USA/Großbritannien 1950, Alfred Hitchcock)
Die üblichen Verdächtigen (USA/Deutschland 1995, Bryan Singer)
Spider (Kanada/Großbritannien/Frankreich 2002, David Cronenberg)

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Bildnachweis: Bilder mit freundlicher Genehmigung der Koch Films GmbH

Bernd Leiendecker
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