Der diskrete Charme der Bourgeoisie - Cover

Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Nur noch wenig Biss

Unsere Bewertung
Eure Bewertung
[Anzahl der Stimmen: 2 Durchschnitt: 4]

Mindfuck-Level: Anfänger

Häufig fragt man sich als Normalbürger, wie es eigentlich bei den Reichen so zugeht. Da man in der Realität keinen Zugang zu dieser Welt hat, müssen Erzählungen diese Lücke füllen. Nur selten kommen die Reichen und Schönen dabei gut weg. Die meisten Filme zeichnen ein negatives Bild von den gesellschaftlichen Eliten. Das gilt auch für Der diskrete Charme der Bourgeoisie (Originaltitel: Le charme discret de la bourgeoisie) von Luis Buñuel. Von Charme kann bei seiner Bourgeoisie keine Rede sein, dafür fügt er Elemente des Mindfuck hinzu.

Missverständnisse

Rafael Acosta (Fernando Rey), François Thévenot (Paul Frankeur), seine Frau Simone (Delphine Seyrig) und Simones Schwester Florence (Bulle Ogier) sind bei Alice (Stephane Audran) und Henri Sénéchal (Jean-Pierre Cassel
) zum Essen eingeladen. Aber es scheint ein Missverständnis gegeben zu haben. Alice und Henri haben die Gäste erst am nächsten Tag erwartet. Henri ist gar nicht da.

Der Versuch, im Restaurant zu essen, scheitert ebenfalls. Der Besitzer ist verstorben und im Nebenraum aufgebahrt. Das verdirbt den Freunden den Appetit. Bei der nächsten Essenseinladung stehlen sich Alice und Henri für ein gemeinsames Schäferstündchen davon. Rafael und François vermuten, dass die beiden von einer Razzia erfahren hätten, bei welcher der gemeinsame Drogenschmuggel der Freunde auffliegen könnten. Überstürzt brechen die Gäste wieder auf. Auch ein Treffen zum Kaffee von Simone, Florence und Alice scheitert: Dem Café ist sowohl Kaffee als auch Tee ausgegangen.

Szenenbild: Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Quelle: Studiocanal Home Entertainment,
DVD: Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Hindernisse – Das Ende von Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Die Auflösung von Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Bei der nächsten Essensverabredung platzt eine Gruppe Soldaten herein. Die Sénéchals hatten versprochen, die Truppe für ein Manöver zu beherbergen. Nun startet das Manöver unerwartet einen Tag früher und die Soldaten brauchen eine Unterkunft. Im Gegenzug lädt der Colonel die Freunde nach dem Manöver zum Essen ein. Hier finden sich die Freunde plötzlich auf einer Bühne vor Publikum wieder – wie sich herausstellt nur ein Traum von Henri.

Als dieser nach dem Aufwachen wirklich zur Feier des Colonels erscheint, bricht der Gastgeber einen Streit mit Rafael vom Zaun. Schließlich erschießt Rafael den Colonel, doch alles stellt sich als Traum von François heraus. Beim nächsten Essen werden die Freunde wegen Drogenschmuggels verhaftet und kommen auf Anweisung des Innenministers – Rafael ist Botschafter des kleinen südamerikanischen Landes Miranda – wieder frei. Eine letzte Mahlzeit wird von oppositionellen Terroristen aus Miranda unterbrochen, welche die Freunde erschießen. Doch auch dies war nur ein Traum, diesmal von Rafael.

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Kulinarische Träume – Der Mindfuck von Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Analyse des Mindfuck von Der diskrete Charme der Bourgeoisie

In Der diskrete Charme der Bourgeoisie geht es um zwei Dinge. Essen und Träume. Während das Essen die inhaltliche Klammer darstellt, welche die (spärliche) Handlung zusammenhält, sorgen die zahlreichen, teilweise ineinander verschachtelten Träume für den Mindfuck. Das Muster ist dabei immer gleich: Es wird vor dem Traum nicht gezeigt, dass die Träumenden einschlafen. Sie scheinen nicht mal in einer Situation zu sein, die ein Einschlafen wahrscheinlich macht.

Dadurch wird das Geschehen des Traums als real wahrgenommen, bis der Träumende aufwacht. Genau genommen lässt sich nicht sagen, wann der Traum begonnen hat: Die Handlung kehrt durch das Aufwachen nicht zu einem bereits bekannten Zeitpunkt zurück. So zieht jedes Aufwachen alles zuvor Gesehene in Zweifel. Für die Botschaft des Films spielt der Realitätsstatus des Gezeigten allerdings keine entscheidende Rolle.

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Fazit

Der diskrete Charme der Bourgeoisie ist ein Sittengemälde über die Dekadenz der Reichen. Vor knapp 50 Jahren reichte das sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film, doch seitdem ist viel passiert. Erzählungen, welche die High Society als verdorben und lächerlich darstellen, gibt es in der heutigen Zeit reichlich und auch der Mindfuck reißt inzwischen niemanden mehr vom Hocker. Da der Film äußerst handlungsarm ist, bleibt dadurch wenig Fesselndes übrig. Wer also nicht ausdrücklich nach einem Arthouse-Film sucht, sollte sich lieber fernhalten.

Weiterführende Links

Der diskrete Charme der Bourgeoisie bei www.imdb.com
Der diskrete Chrame der Bourgeoisie bei www.rottentomatoes.com

Bildnachweis: Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Studiocanal Home Entertainment

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