Timecrimes

Zeitschleife mit Schwächen

Unsere Bewertung
Eure Bewertung
[Anzahl der Stimmen: 7 Durchschnitt: 3.6]

Mindfuck-Level: Fortgeschrittener

Zahlreiche Filme spielen gerne mit den Möglichkeiten einer Zeitreise: den neuen Handlungsoptionen, den moralischen Implikationen, aber auch dem Mindfuck, der sich aus einer Zeitreise ergeben kann. Timecrimes (Originaltitel: Los cronocrímenes) von Nacho Vigalondo ist ein solcher Film, der gleichzeitig eine weitere Möglichkeit nutzen möchte, die viele Mindfuck-Filme bieten: Durch ein cleveres Drehbuch kann aus einer Produktion mit geringem Budget trotzdem ein erfolgreicher Film werden. Kann, muss aber nicht.

Auf der Flucht

Hector (Karra Elejalde) ist mit seiner Frau Clara (Candela Fernández) in ein neues Haus auf dem Land gezogen. Als Clara beim Einkaufen ist, entdeckt Hector mit seinem Fernglas im Wald hinter dem Haus eine junge Frau (Bárbara Goenaga), die sich auszieht. Sein Voyeurismus treibt Hector in den Wald, wo er die Frau nackt und bewusstlos vorfindet. Hier wird Hector von einer Person mit verbundenem Gesicht angegriffen und mit einer Schere am Arm verletzt. Hector flieht in ein nahes Gebäude – wie sich herausstellt ein Forschungslabor.

Durch ein Funkgerät nimmt er mit einem Wissenschaftler (Nacho Vigalondo) Kontakt auf und dieser lotst Hector in ein anderes Gebäude auf einem Hügel. Der Wissenschaftler verspricht Hector, ihn in einer Maschine vor dem Angreifer zu verstecken. Bei der Maschine handelt es sich um eine Zeitmaschine und der Wissenschaftler transportiert Hector einige Stunden in die Vergangenheit. Trotz der Warnungen des Wissenschaftlers bringt Hector es nicht fertig, die Stunden ruhig abzuwarten. Er scheint den Gedanken nicht zu ertragen, dass sein Doppelgänger bei seiner Frau ist. Er flieht mit einem Auto aus dem Forschungslabor und begegnet auf der Straße der geheimnisvollen Frau. Hector hält an und wird von einem anderen Auto gerammt. Als er seine Gesichtsverletzungen verbindet, wird ihm klar, dass er selbst der geheimnisvolle Angreifer ist.

Alles auf Anfang – Das Ende von Timecrimes

Die Auflösung von Timecrimes

Daraufhin macht sich Hector daran, die Ereignisse so in Gang zu setzen, wie er sie schon kennt. Er zwingt die Frau sich im Wald auszuziehen und greift seinen Doppelgänger an. Die Frau flieht in Hectors Haus und Hector folgt ihr. Als er sie bis auf das Dach verfolgt hat, greift er nach einem Bein und eine Frau stürzt ab – allerdings hat sie kürzere Haare und trägt andere Kleidung als die geheimnisvolle Fremde. Hector erkennt in dem leblosen Körper seine Frau Clara. Er jagt seinen Doppelgänger, bis dieser seine Zeitreise macht.

Dann zwingt er den Wissenschaftler, auch ihn noch einmal in der Zeit zurückzuschicken. Der Wissenschaftler blockt zunächst ab und erklärt schließlich, eine weitere Version von Hector habe ihn ausdrücklich davor gewarnt, die erneute Zeitreise zuzulassen. Hector reist trotzdem in die Vergangenheit und rammt den Wagen seines Vorgängers mit einem anderen Auto. Dadurch kommt er auch selbst von der Straße ab, begreift aber, dass er den Tod seiner Frau so nicht verhindert hat. Er warnt den Wissenschaftler per Funk davor, die Zeitreise durchzuführen. Dann trifft er auf die geheimnisvolle Frau und geht mit ihr zu seinem Haus. Dort ist auch Clara, die einen Eindringling gehört hat und sich verängstigt an Hector wendet. Hector versteckt Clara, verkleidet die andere Frau so, dass sie wie Clara aussieht, und sieht zu, wie sein Vorgänger die Frau vom Dach wirft. Er geht hinaus zu Clara und setzt sich mit ihr in den Garten.

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Ohne Ausweg – Der Mindfuck von Timecrimes

Analyse des Mindfuck von Timecrimes

Timecrimes präsentiert seinen Mindfuck auf eine für Zeitschleifen-Filme typische Art und Weise. Hector ist Zeuge verschiedener Ereignisse, die er zunächst nicht begreift. Später im Film wird er dann durch seine Zeitreise selbst zum Auslöser dieser Ereignisse. Dabei ist er immer bemüht, alles so passieren zu lassen, wie er es schon kennt. Und wenn er versucht, den Gang der Ereignisse zu verändern, merkt er später, dass er genau dadurch die Ereignisse in ihrer gewohnten Form überhaupt ausgelöst hat. Damit folgt Timecrimes der Ansicht, dass alles bereits vorherbestimmt ist und dass der Mensch sein Schicksal ohnehin nicht ändern kann. Problematisch ist bei derartigen Zeitschleifen wie immer der Einstieg. Erst nach seiner Zeitreise setzt Hector die Ereignisse in Gang, die ihn überhaupt erst zu der Zeitreise bringen. Das kann er aber nur, wenn er die Zeitreise ohnehin schon gemacht hat.

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Fazit

Von seiner Struktur her erinnert Timecrimes an Filme wie Predestination oder Triangle. Allerdings schneidet er im Vergleich wesentlich schwächer ab, was vor allem an der Handhabung der Zeitschleife liegt.

Beurteilung des Mindfuck von Timecrimes

Hector hat oft keinerlei Motivation für seine Handlungen, abgesehen von der Tatsache, dass er die ihm bekannten Ereignisse in Gang bringen möchte. Allerdings ist meist unklar, warum er das überhaupt will. Dadurch ist besonders der Mittelteil des Films eher langweilig, denn man sieht Hecotr vor allem bei der Rekonstruktion bekannter Ereignisse zu, ohne dass dies einen Aha-Effekt bedeuten würde. Darüber hinaus ist es keine gute Idee, die Hauptfigur eine halbe Stunde lang mit komplett verbundenem Gesicht umherlaufen zu lassen. Durch die Abwesenheit jeglicher Mimik fällt es schwer, sich in Hector, der ohnehin schon recht sparsam charakterisiert wird, hineinzuversetzen.

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Insgesamt ist Timecrimes also ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Das ist durchaus bedauerlich, denn die Grundstruktur des Films hat Potential.

Weiterführende Links

Timecrimes bei www.imdb.com
Timecrimes bei www.rottentomatoes.com

Bildnachweis: Bilder mit freundlicher Genehmigung der Koch Media GmbH

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