Filmplakat Hager

HAGER

Rauschhafte Abgründe
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[Anzahl der Stimmen: 14 Durchschnitt: 4.1]

Mindfuck-Level: Experte

Die Wurzeln des Mindfuck liegen im Independent-Film. Hier waren schon immer erzählerische Experimente möglich, ohne sich nach dem Massengeschmack des Mainstream richten zu müssen. In dieser Tradition steht auch die deutsch-österreichische Produktion HAGER von Kevin Kopacka. Als dritter Teil einer Trilogie steht der Film dennoch genug für sich, dass er auch ohne Kenntnis der Vorgänger HADES und TLEMA angeschaut werden kann. Und anschauen sollte man sich HAGER definitiv – gerade als Mindfuck-Fan.

In den Abgrund

Der Polizist Till Hager (Philipp Droste) wird zusammen mit seinem Kollegen Eichborn (David Garzón Bardua) auf die neue Droge Abbadon angesetzt. Zuvor war Hagers Kollege und Schwager Julius Schweitzer (Cris Kotzen) für den Fall zuständig, doch er ist spurlos verschwunden. In der Folge zeigt der Film verschiedene schlaglichtartige Szenen, von denen einige wohl real sind, andere einen unklaren Realitätsstatus haben oder als nicht real gedeutet werden müssen.

Es wird klar, dass Hagers Bruder Benedict und seine Mutter Selbstmord begangen haben. Hagers Schwester Maria (Anna Heidegger), Schweitzers Frau, wurde offenbar eine Zeit lang in einer psychiatrischen Anstalt behandelt. Hager selbst ist schon länger mit Sara zusammen und die beiden planen, in Kürze zu heiraten und eine Familie zu gründen. Trotzdem betrügt Hager seine Verlobte und zweifelt an der Beziehung.

Quelle: Crossbones GmbH

Noch tiefer – Die Auflösung von HAGER

Die Auflösung von Hager

Auch weiterhin ist der Realitätsstatus vieler Szenen nicht eindeutig. Der Film legt die Vermutung nahe, dass sich Folgendes abgespielt hat:

Eichborn hat seinem Kollegen Schweitzer Abbadon gegeben und durch die Droge wurde Schweitzer mit seinen dunklen Erinnerungen konfrontiert. Auch Hager hat Abbadon genommen. Hager schläft mit seiner Schwester Maria. Offenbar hat die inzestuöse Beziehung schon länger Bestand. Als Maria Hager an dessen Geburtstag Oralverkehr anbietet und er diesen ablehnt, kündigt sie an, Sara alles zu erzählen. Hager fährt zu einer Brücke und es scheint, als wollte er Selbstmord begehen

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Lasst alle Hoffnung fahren – Der Mindfuck von HAGER

Analyse des Mindfuck von Hager

Schon in der Anfangsphase von HAGER findet sich ein visuelles Zitat von Lost Highway und lange Zeit werden auch Parallelen zwischen den beiden Filmen deutlich. HAGER verzichtet auf eine konventionelle Dramaturgie und liefert zahlreiche Einzelszenen, deren Bedeutung unklar bleibt oder erst später klar wird. Dies spiegelt das Erleben eines Abbadon-Rauschs, der in Halluzinationen und unklaren Raum-Zeit-Bezügen münden soll.

Die offensichtlichste Halluzination ist, dass Hagers Geliebte zunächst nicht wie Maria aussieht und von einer anderen Schauspielerin (Aline Adam) dargestellt wird. Erst später „verwandelt“ sie sich dann in Hagers Schwester. Im Gegensatz zu Lost Highway, der bis zum Ende verrätselt bleibt, lässt sich für HAGER zumindest eine Kernhandlung rekonstruieren: Ausgelöst durch die Droge Abbadon verliert sich Hager in den Schatten seiner eigenen Vergangenheit, was ihn schließlich in den Selbstmord treibt. In Anlehnung an Dantes Inferno, welches der Film immer wieder durch Texteinblendungen zitiert, wird Hager in den neunten Kreis der Hölle hinabgezogen.

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Fazit

Mit kleinem Budget und großem Mut ist den Machern von HAGER ein starker Mindfuck-Film gelungen. Insbesondere überzeugen die Ästhetik des Films und sein verstörender Soundtrack. So ist HAGER ein 80-minütiger Horrortrip, der das Publikum in seinen Bann zieht. Dass der Film letztendlich in eine etwas überfrachtete Auflösung mündet, wäre gar nicht unbedingt nötig gewesen. Doch der Weg dorthin reißt den Zuschauer dermaßen mit, dass gerade Mindfuck-Fans auf ihre Kosten kommen werden. Anfänger sollten allerdings vorsichtig sein: Sie erwartet sicherlich keine leichte Kost.

Weiterführende Links

HAGER bei www.imdb.com

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Bildnachweis: Bilder mit freundlicher Genehmigung der Crossbones GmbH

Bernd Leiendecker
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